Steve Jobs ✝


Es kam für mich dann doch überraschend. Ich hatte es einfach nicht wahrhaben wollen, obwohl er von Auftritt zu Auftritt schwächer wurde - bei der Vorstellung des iPad 2 im Frühjahr war der Anblick schon fast unerträglich gewesen.
Ein ganz Großer ist zu früh gegangen. Für mich ist es sonnenklar, dass Steve Jobs in die Reihe der Menschen gehört, die den größten Einfluss auf ihre Zeit genommen haben. Auf jeden Fall neben Edison, Benz und Ford. Aber ich würde ihn sogar noch höher einreihen, etwa neben Einstein und Picasso, denn sein Einfluss geht weit über die Technik hinaus. Er hat, direkt durch die Apple-Produkte, aber vor allem auch indirekt über deren Vorbild für alle anderen Hersteller, die Art und Weise bestimmt, wie wir mit Technk umgehen. Und weil die Computertechnik heute aus unserem Leben (zumindest in großen Teilen der Welt) nicht mehr wegzudenken ist, kommt so gut wie jeder, ohne es zu wissen, in den Genuss der Apple-Prinzipien, die auf die Philosophie von Steve Jobs zurückgehen.
Das ‚Manifest‘ von Jobs ist das iPad. Es verkörpert alles, wofür er steht: Obwohl es für viele der Benutzer einer der leistungsfähigsten Computer ist, die sie je hatten, merken sie davon nichts. Er kommt nicht daher wie ein Computer, sondern wie ein Alltagsgegenstand.
Eine von Job’s Lieblingsformulierungen war:
„Computers for the rest of us“. Also nicht nur für die Nerds dieser Welt, sondern für jeden. Man könnte das als Werbeslogan oder als Anbiederei missverstehen - schließlich könnten die Apple-Ingenieure selbst, auch wenn sie in ‚us‘ mit eingeschlossen sind, ja auch mit weit komplizierteren Geräten umgehen als denen, die sie bauen. Aber ich sehe dahinter eine Hochschätzung der Menschen und ihrer Kreativität: Ihr alle, ihr normalen User habt völlig Recht, wenn ihr die Technik verflucht, die von euch eine Anpassung verlangt, statt sich euch anzupassen. Es ist unser Job und unsere Berufung, euch hervorragendes Werkzeug zur Verfügung zu stellen. Nutzt sie, um das Beste daraus zu machen!
Ein bisschen tröstlich und beruhigend zu wissen, dass Steve Jobs noch den riesigen Erfolg seiner Ideen erleben durfte, z.B. deren Verwirklichung im iPad und sogar die äußere Anerkennung in Form des Aufstiegs Apples zur teuersten Firma der Welt. Und es ist schön zu sehen, wie groß das Maß der Anteilnahme und der Würdigung in den Medien jetzt ist. Mich hat überrascht, dass am Mittwoch sogar die Tagesthemen der ARD mit einem Feature über Steve Jobs aufmachten - danach folgte gleich die Nennung des Literaturnobelpreisträgers. Aber auch wenn diese Anordung sicher zum Teil dem Mangel an ‚harten‘ politischen Fakten an diesem Tag geschuldet war, fand ich sie doch angemessen.