Stundenplanemotionen

Am Freitag bin ich ja schon ausgebüxt, aber heute konnten wir nicht entfliehen.
Wenn die Kollegen ihren Stundenplan zum ersten Mal sehen, ist es für das Stundenplanteam ratsam, nicht anwesend zu sein. Vieles des ersten Entsetzens legt sich nach ein wenig Schlaf übers Wochenende wieder.
Aber was am Montag noch übrig blieb, hat mir bei weitem gereicht.

Zuerst mal positiv: Wir bekamen von vielen einiges Lob und vielen Dank. So ganz genießen konte ich das dann aber auch nicht, denn nicht in allen Fällen lag es an uns. Der Plan fiel auch oder vielleicht gerade ohne unser Zutun für eine Reihe Kollegen sehr angenehm aus. Nun gut, in manchen Fällen weiß ich aber auch, dass wir wirklich gute Arbeit zum Wohl der Schüler und der Kollegen gemacht haben - ich versuchte dann, das Lob auf diese Fälle umzumünzen.

Aber ich habe auch Reaktionen erlebt, unfassbar. Nicht, dass ich nicht gewarnt worden wäre, aber ich habe diese Warnungen doch nicht glauben können - sie sind aber nicht untertrieben gewesen.
EinE KollegIn beschwerte sich über eine Doppelhohlstunde: 1./2. Stunde Unterricht, 3./4. Stunde frei, 5./6. Stunde Unterricht. Alleine schon über die Nachfrage war ich erstaunt. Ist nicht offensichtlich, dass wir versucht haben MÜSSEN, daraus einen zusammenhängenden 4-Stunden-Vormittag zu machen, aber offensichtlich gescheitert sind? Die allermeisten Lehrer finden das sicher normal und haken gar nicht erst nach. Nicht so besagtE KollegIn.

Das Gespräch verlief etwa so:
Ich: Manchmal ist leider nichts zu machen. Aber seien Sie froh, andere hat es noch weit schlimmer erwischt. Eine Doppelhohlstunde als schlimmster Punkt an einem Stundenplan, das ist doch zu verkraften.
K: Kommen Sie mir nicht mit anderen! Das muss man doch besser hinbekommen! Ich schaue nach langen Jahren der Enttäuschung nur noch auf mich.
Ich: Ja, aber es kommt doch auch darauf an, dass es von der Klasse her geht und von den Plänen der anderen Lehrer. Ich kann jetzt gerade nicht die Einzelheiten aus meinem Gedächtnis zaubern, aber ich bin sicher, dass wir das Bestmögliche versucht haben.
K: Das kann doch wohl nicht wahr sein! Eine doppelte Hohlstunde hätte man doch irgendwie vermeiden können!
Ich: Ok, also schauen wir mal hin. Die eine Doppelstunde ist auf einer Oberstufenschiene, die ist festbetoniert, nichts zu machen. Die andere bei den 5ern könnte man theoretisch verschieben. Aber ich bin sicher, dass wir das probiert haben. Da muss etwas im Weg gelegen haben. Wenn die Schüler zum Beispiel in der 3./4. Stunde Sport haben, können wir wegen der Hallenbelegung nicht mehr schieben. Dann kann man einfach nichts machen.
K: Sport? Ob und wann die Sport haben, interessiert mich nicht.

An der Stelle hätte ich dann sagen müssen: „Danke für das Gespräch.“, und gehen. Habe ich natürlich nicht gemacht. Aber es ist schon interessant, dass manche Lehrer wirklich Einzelkämpfer sind, die nicht im Mindesten im Blick haben, dass wir in einem Team aus 90 Kollegen und 1100 Schülern arbeiten. Der weitaus größere Teil der Lehrerschaft ist durchaus anders gestrickt, aber ein paar einzelne passen doch in das negative Lehrer-Klischee.